VX ONE Klassenvereinigung Deutschland

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VX ONE Int. EUROPEAN OPEN 2026 am Ullswater – Englische Härte und Lake-District-Flair

Nach der regen englischen Beteiligung bei der VX ONE Euro 2024 am Walchensee und 2025 am Rhein war es 2026 Zeit für den Gegenbesuch zur ersten VX ONE Int. EUROPEAN OPEN auf der britischen Insel.

Ziel war der Ullswater im Nationalpark Lake District, landschaftlich eine der eindrucksvollsten Regionen Englands. Schlösser und Burgen, historische Parks und Anwesen, jahrhundertealte Geschichte und vor allem viel Natur prägen das Bild. Die Region ist ausgesprochen dünn besiedelt und bietet eine faszinierende Mischung aus Bergen, Wäldern, Weideland und kleinen Ortschaften.

Das Wetter wollte allerdings nicht so recht ins Bild passen: Statt typisch englischer Regenschauer erwartete uns die ganzen zwei Wochen überwiegend herrliches Sommerwetter mit fast mediterranem Flair. Wer den Lake District als Segelurlaub bisher nicht auf seiner Reiseliste hatte, sollte das vielleicht noch einmal überdenken. Die Anreise ist über die Fähre Rotterdam–Hull zudem unkompliziert und vergleichsweise preiswert.

Eine ganze Woche Segeln

Die Euro war Teil der traditionellen Holiday Week des Ullswater Yacht Club. Bereits die ganze Woche standen täglich mehrere Rennen und ein umfangreiches Rahmenprogramm auf der Tagesordnung.

Am Donnerstag erhielt die VX ONE-Flotte eine eigene Wertung beim Island Race, einem Langstreckenrennen über den Ullswater. Eine erste Gelegenheit, das Revier unter Wettkampfbedingungen kennenzulernen, kombiniert mit Sightseeing.

Überhaupt präsentierte sich der Ullswater Yacht Club als fantastischer Gastgeber. Das Clubgelände bietet unglaublich viel Platz, große Wiesen, unzählige Liegeplätze, ein großzügiges Clubhaus mit Bar, eine hervorragende Infrastruktur und sogar einen eigenen Campingplatz. Besonders beeindruckend war jedoch die Gastfreundschaft: Wo Unterstützung benötigt wurde, war jemand zur Stelle – freundlich, unkompliziert und selbstverständlich.
 

Perfekte Organisation – vom ersten Handgriff an

Neun VX ONEs liegen inzwischen fest im Ullswater Yacht Club und bilden dort eine wachsende lokale Flotte. Zur Euro selbst reisten noch 4 weitere Boote an. Schon beim ersten Slip am Freitag zeigte sich, wie professionell die Veranstaltung organisiert war. Vom Slip am Steg war eine Muring angelegt zu mehreren festen Bojen im tiefen Wasser. Zusätzlich wurden Boote per Motorboot zu freien Bojen geshuttlet. So waren 13 Boote innerhalb von rund 30 Minuten von Land unterwegs zur Startlinie - eine derart reibungslose Organisation haben wir bisher tatsächlich noch nirgends erlebt.
 

Wind auf dem Ullswater: ein GROSSES Thema...

Auf dem Ullswater wird das Segeln maßgeblich von der außergewöhnlichen Topografie des Lake District geprägt: Die umliegenden Berge und tief eingeschnittenen Täler kanalisieren und lenken den Wind, erzeugen lokale Druckunterschiede und sorgen dafür, dass sich Windstärke und -richtung auf kurzer Distanz deutlich verändern können. Gerade bei stärkeren Bedingungen kann der Wind durch die Täler plötzlich beschleunigen und aus einer moderaten Brise werden innerhalb weniger Sekunden kräftige Böen. Für sportliches Segeln bedeutet das, dass nicht allein der aktuelle Wind auf dem Wasser entscheidend ist, sondern vor allem das Lesen der Topografie: Wo öffnet sich ein Tal, welche Bergflanke liegt im Luv, wo ist mit neuer Beschleunigung zu rechnen und aus welcher Richtung kommt die nächste Böe? Wer diese lokalen Effekte früh erkennt und die Böen richtig liest, hat auf dem Ullswater einen entscheidenden taktischen Vorteil. Diese Erfahrung war in den Ergebnissen deutlich abzulesen.

Die Favoriten zeigten über die drei Wettfahrttage eine beeindruckende Konstanz. Trotzdem leisteten sich alle Teams immer wieder einen echten „Bock“. Die beiden Streicher nach den 11 Rennen waren entsprechend wichtig und sorgten dafür, dass auch nach einzelnen Ausrutschern noch alles offen blieb.

Und auch beim Zweikampf auf dem Wasser zeigte sich schnell, dass die englischen Teams durchaus robust zu Werke gehen. Sowohl an der Startlinie als auch im Rennen wird mit harten Bandagen gekämpft. Ein Loch im Rumpf und ein verbogenes Kielschwert zeigen: wer Angst um sein Material hat, hält sich besser etwas zurück – verbal wie materiell wird durchaus ordentlich hingelangt.

Bemerkenswert dabei: Trotz der teilweise sehr engagierten Zweikämpfe gab es während der gesamten drei Renntage nicht eine einzige Protestverhandlung. Man wusste offenbar sehr genau, worauf man sich einlässt – und konnte nach dem Rennen wieder gemeinsam lachen und die Löcher zukleben.

Viel Wind – und wenig Erbarmen mit Leichtgewichten

Das Wetter zeigte sich während der Regatta ausgesprochen gnädig. Lediglich an einem Morgen gab es etwas leichten Regen. Auf dem Wasser wurde es dafür umso anspruchsvoller.

Bis auf zwei Läufe lagen die mittleren Windgeschwindigkeiten zwischen 3,5 und 6 Beaufort – wohlgemerkt Mittelwind, nicht die Böen. Insgesamt war es damit eine ausgesprochen windreiche Euro, bei der insbesondere leichtere Crews teilweise ordentlich zu kämpfen hatten.

Der Freitag begann mit 3 bis 4 Beaufort. Schnell zeigte sich, dass die Ortskenntnis am Ullswater einen erheblichen Vorteil darstellt. Die lokalen Teams fanden sich in den komplexen Windfeldern deutlich besser zurecht und konnten die Besonderheiten des Reviers konsequent ausnutzen.

Am Samstag wurde es dann richtig sportlich. Über weite Strecken lagen 6 Beaufort an. Die Bedingungen waren entsprechend anspruchsvoll und verlangten sowohl von den Crews als auch vom Material einiges. Trotz der teilweise wie englische Langbögen gespannten Riggs gingen den „Leichtgewichten“ irgendwann die Waffen aus.

Der Sonntag brachte schließlich etwas Entspannung. Mit etwa 2,5 Beaufort wurden die Bedingungen deutlich leichter – zumindest in zwei der drei Läufe. Im zweiten Rennen schickte der Ullswater die Flotte erneut mit rund 5,5 Beaufort über den Kurs.

Mit drei Tagen Regattaerfahrung auf dem Revier und bei etwas leichteren Bedingungen konnten die deutschen Teams schließlich einige Punkte gutmachen. Für die vorderen Platzierungen war der Rückstand zu den erfahrenen lokalen Crews allerdings bereits zu groß.
Den Titel holte sich wie bereits 2024 die GBR180 von Jonathan Shelley mit Josh Moran vor der GBR273 von Mike Matthews mit Elspeth Keating und Matthew Boatman. Dritte wurden die GBR189 mit David und Edmund Clarke.

Segeln, Gastfreundschaft und Lake-District-Flair

Auch an Land überzeugte die Veranstaltung auf ganzer Linie. Der Ullswater Yacht Club hatte ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm organisiert. Am Freitag sorgte ein Shantychor für maritime Stimmung, am Samstagabend standen hervorragende Steak Pies auf dem Speiseplan.

Fazit: Der Ullswater ist eine Reise wert

Denn neben nahezu unendlicher Segelzeit wartet eine fantastische Landschaft darauf, entdeckt zu werden. Der See selbst bietet anspruchsvolles Sportsegeln, die Berge und der Lake District drumherum für jede Menge Möglichkeiten an Land. Dazu ein Club, der seine Gäste mit großer Professionalität und echter Gastfreundschaft empfängt.

Überhaupt sind die Menschen dort extrem zugewandt. Wo immer man unterwegs war, begegnete man freundlichen Menschen und einer ausgesprochen entspannten Atmosphäre.

Und die Landschaft rund um den Ullswater ist ohnehin ein Erlebnis für sich: Berge, grüne Weiden mit Schafen, kleine Wälder und verstreute Bauernhöfe, die direkt aus einem Highlander-Film stammen könnten. Dazwischen 300 Jahre alte Cottages als Ferienhäuschen – und dazwischen immer wieder Schlösser wie aus einer Filmkulisse.

Wer nur für ein Regattawochenende anreist, verschenkt einiges. Unser Tipp: mindestens 14 Tage einplanen und daraus einen richtigen Urlaub machen. Wir freuen uns jedenfalls schon jetzt auf die nächste Euro am Ullswater – und hoffen sehr, dass dann deutlich mehr deutsche Teams den Weg nach England finden.

Ihr habt definitiv etwas verpasst! :-)