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VX ONE ALPENCUP 2026 – Thermik, Starkwind und zwei bayerische Klassiker
Sechs Wettfahrttage, zwei außergewöhnliche Reviere, 17 Boote und Bedingungen zwischen Flaute und 20 Knoten: Der VX ONE ALPENCUP 2026 verband sportlich anspruchsvolles Segeln mit der besonderen Atmosphäre zweier bayerischer Traditionsreviere. Walchensee und Tegernsee zeigten dabei ihre jeweils ganz eigenen Charaktere. Ergänzt wurde das Programm durch einen Trainingstag mit dem mehrfachen Weltmeister und Olympia-Achten im 470er, Rolf „Rocky“ Schmidt.
Walchensee: Die bayerische Karibik macht ihrem Ruf alle Ehre
Zum Auftakt gastierte die VX ONE-Flotte beim Segelclub Walchensee e.V.. Der Walchensee gilt mit seinen ausgeprägten Thermikwinden als „kleiner Gardasee“ und verdankt seinem kristallklaren Wasser den Beinamen „bayerische Karibik“. Eine Kombination, die das Revier nicht nur landschaftlich, sondern auch seglerisch zu einem der interessantesten Seen der Alpen macht.
Die ersten Crews trafen bereits am Dienstag ein. Besonders erfreulich war die Teilnahme des Teams aus der Schweiz, die SUI223 von Andi Hottinger mit Armin Mäder, die nach einigen vergeblichen Anläufen nun endlich den Weg vom Zürichsee an den Walchensee gefunden hatten. Mit Rolf Schmidt stieß zudem ein prominenter Neuzugang zur VX ONE-Flotte. Der mehrfachen Weltmeister und Olympia-Achte im 470er hat inzwischen ebenfalls Gefallen an der sportlichen Einheitsklasse gefunden.
Und der Walchensee zeigte gleich zum Auftakt, was er kann.
Der Walchensee begann das Regattawochenende mit seinem klassischen Täuschungsmanöver: Zum Frühstück lag der See spiegelglatt vor den Crews. Wer das Revier nicht kennt, würde kaum vermuten, dass wenige Stunden später zweistellige Windgeschwindigkeiten die Regel sind. Man kann es erklären, Diagramme zeigen und noch so oft von Thermik erzählen – geglaubt wird es trotzdem nicht.
Wenn die Wettfahrtleitung zum auslaufen auffordert wird gemotzt und gepaddelt – doch bevor die ersten Boote die Startlinie erreichen, setzt die Thermik ein – und aus der spiegelglatten Oberfläche wird innerhalb von 5 Minuten zwölf Knoten Wind.
Am Donnerstag funktionierte das Thermiksystem wie aus dem Lehrbuch. Bei 10 bis 16 Knoten konnten vier anspruchsvolle Wettfahrten absolviert werden. Trotz wechselnder Bewölkung blieb das Wetter angenehm und die Stimmung an Land wie auf dem Wasser hervorragend. Parallel zur VX ONE-Flotte traten rund 30 Boote der 505er-Klasse zu ihrer Deutschen Meisterschaft an. Damit herrschte auf dem Wasser reger Betrieb und der Walchensee wurde für einige Tage zum Zentrum des bayerischen Jollensegelns.
Am Abend trafen sich die Teilnehmer zum traditionellen KV-Essen. Kasspatzen und Schupfnudeln sorgten für die notwendige Grundlage nach einem langen Regattatag.
Freitag: Flaute auf dem See, Gipfelglück auf dem Herzogstand
Am Freitagmorgen machte die dichte Bewölkung einen Strich durch die Rechnung. Die Sonne fehlte – und damit auch der Motor für die Thermik. Erst gegen 15 Uhr setzte wieder Wind ein, für die Rennen war es zu diesem Zeitpunkt jedoch zu spät.
Dafür wartete am Nachmittag ein besonderes Highlight: Mit eigens gebuchten Sonderfahrten ging es bereits um 17 Uhr auf den Herzogstand. Für die Gäste immer wieder ein exklusives Erlebnis, denn der normale Tagesbetrieb ist da bereits beendet und auf dem Berg kehrt echte Ruhe ein. Alpenpanorama und bayerische Schmankerl im Berggasthof.
Am Samstag zeigte der Walchensee dann wieder sein gewohntes Gesicht. Die Crews paddelten bei nahezu vollständiger Flaute aus dem Hafen, erste Briese setzt ein, an der Startlinie werden die Wanten dann angezogen…
Nach der ersten Wettfahrt sammelten sich die Boote in der Abdeckung hinter der Insel. Die Schweizer Crew lief ein und brüllte begeistert in bestem Schwyzerdütschj herüber:
„Geeeeiiiiile Pfüütze habtt ihr daaaa!“
Viel treffender kann man die Begeisterung für den Walchensee kaum formulieren.
Am Abend folgte das legendäre große SCLW-BBQ, bevor die 505er zu einer Trimm-Fragerunde einluden. Spätestens da wurde auch dem letzten VX ONE-Segler wieder deutlich, warum er in dieser Klasse unterwegs ist: sie ist EINFACH - UND schneller. Anschließend feierten alle die Segler-Party mit Live-Band und bayrischem Bier bis in die späten Abendstunden.
Der Sonntag brachte nochmals gute Bedingungen und drei weitere Wettfahrten. Den Sieg am Walchensee sicherte sich die GER 271 mit Jörg Fleischer, Jesper Fleischer und Theo Gnass. Rang zwei ging an die GER 274 von Peter Wenzel mit Holger Wiegmann, gefolgt von der GER 225 mit Rolf Schmidt und David-Friedemann Henning.
Leider gibt es vom Wochenende nur wenige Fotos, da unser Fotograf kurzfristig im Krankenhaus lag. Umso mehr bleiben die Bilder in den Köpfen.
Nach dem Regattawochenende folgte ein weiterer Höhepunkt des Alpencups: ein Trainingstag mit Rolf „Rocky“ Schmidt.
Ab Montag zeigte sich das Wetter deutlich unfreundlicher. Trotzdem ließ sich noch ein ganz besonderes Highlight realisieren: ein Regattatraining mit Rocky Schmidt bei selbst für den Walchensee spektakulären Bedingungen: auf dem rund sieben Kilometer langen Walchensee standen Schaumkronen gleichzeitig aus Nord und Süd, während in der Seemitte nahezu vollständige Flaute herrschte. Dazwischen lagen Gennaker-Kurse mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 18 Knoten. Ein erklärtes Ziel des Trainings, das Starkwind-Handling auf Am Wind-Kurs zu verbessern, konnte perfekt trainiert und erreicht werden, vielen Dank an Rolf Schmidt!
Am Freitag zog die Flotte weiter an den Tegernsee. Gastgeber war der Segelverein Rottach-Egern e.V. auf der Popperwiese – ein wunderschönes Gelände direkt am See.
Der Slip funktionierte am flachen, festen Kiesstrand völlig problemlos, einige Boote blieben gegenüber im Yachtclub Tegernsee. Die Voraussetzungen waren also perfekt, allerdings blies am Samstag ein kräftiger Westwind. Dieser zerstört die lokale Thermik, es entstehen sehr wechselhafte und stark drehende Winde. Die Wettfahrtleitung hielt eine ernsthafte Durchführung für unmöglich, die Flotte entschied sich trotzdem einstimmig: „Dann eben eine Schweineregatta!“
Zwei Wettfahrten, Wind zwischen 0 und 20 Knoten, ständig wechselnd – teilweise auf gerade einmal 200 Metern. Dazu Dreher von mehr als 100 Grad. Für Taktiker eine mittlere Katastrophe, für die VX ONE-Flotte und Zuschauer vor allem eines: unglaublich lustig!
Am Abend wurde wieder hervorragend gegessen. Ein großes Dankeschön dafür an die Küchencrew des SV Rottach-Egern!
Für den Sonntag war starker Sturm vorhergesagt. Aus Sicherheitsgründen entschieden die Verantwortlichen daher, keine weitere Wettfahrt zu starten und die Boote von den Murings zurück an Land zu bringen. Der angekündigte Sturm blieb letztlich aus, die Entscheidung war dennoch richtig: Bei unsicheren Wetterprognosen hat die Sicherheit der Crews und Boote Vorrang.
Wieder ganz vorne landete die GER 271 mit Jörg Fleischer, Jesper Fleischer und Theo Gnass. Platz zwei ging an die GER 252 mit Helge Koch und Iris Kamml, vor der GER 225 mit Rolf Schmidt und David-Friedemann Henning. Damit bestätigte die GER 271 ihre starke Form über beide Regattawochenenden hinweg.
VX ONE ALPENCUP 2026 – ein voller Erfolg
Insgesamt waren an den beiden Wochenenden einmal 8 und einmal 9 Boote mit 11 verschiedenen Teams am Start. Der Gesamtsieg des VX ONE ALPENCUP 2026 ging nach zwei ersten Plätzen souverän an Jörg und Jesper Fleischer mit Theo Gnass.
Die Deutsche VX ONE Klassenvereinigung wird auch künftig versuchen, die beiden Regatten im Süden terminlich möglichst gut aufeinander abzustimmen. Denn der Alpencup hat einmal mehr gezeigt, was ihn so besonders macht: fantastische Reviere, anspruchsvolle Bedingungen, spannende Rennen und vor allem eine großartige Gemeinschaft.
Ein besonderer Dank gilt den beiden ausrichtenden Vereinen, dem Segelclub Walchensee e.V. und dem Segelverein Rottach-Egern e.V., sowie den zahlreichen Helferinnen und Helfern an Land und auf dem Wasser. Sie haben einmal mehr Veranstaltungen ermöglicht, die sportlich anspruchsvoll, organisatorisch professionell und zugleich von der für die VX ONE-Klasse typischen familiären Atmosphäre geprägt waren.

