VX ONE Racing GER - Wannsee '25 ← 44. Meisterschaft der Meister in Hamburg → Int. Anerkennung durch World Sailing
Aufgrund der umfangreichen Berichterstattung hier der Hinweis:
Fotogalerie und Links zu weiteren Berichten der YACHT, des DSV und Anderen finden sich am Ende der Seite.
44. Meisterschaft der Meister in Hamburg - RÜCKBLICK AUF EINE ECHT HARTE PRÜFUNG
Der Weg der VX ONE als Einheitsklasse für die „Meisterschaft der Meister“ (MdM) in Hamburg begann bereits ein Jahr vor dem ersten Startsignal...
EINE EINLADUNG MIT FOLGEN
Als Jörg Fleischer, Bronze-Medaillengewinner der VX ONE European Open 2024, im Herbst 2024 die Einladung zur MdM erhielt, war das der Start einer außergewöhnlichen Geschichte. Nicht nur, dass er es dort dann bis ins Finale schaffte – der Hamburger Segel-Club (HSC) fragte bei ihm an, ob die VX ONE als Einheitsklasse für die nächste MdM in Frage käme.
Sofort war klar: Wenn sich die Gelegenheit ergibt, unsere großartige Bootsklasse einem breiten Publikum zu präsentieren, muss sie genutzt werden. Zur „Meisterschaft der Meister“ lädt der Hamburger Segel-Club e.V. seit 44 Jahren jeden Herbst die amtierenden deutschen Meister, Europameister und Weltmeister aus verschiedenen Bootsklassen ein, auf einer Einheitsklasse den ultimativen Champion der Saison zu ermitteln. Klassen vergangener Jahre war ursprünglich der Pirat, aber später unter Anderem First 18, J/70, Laser Bahia oder RS Venture Connect. Dieser Stein musste ins Rollen gebracht werden, denn unsere VX ONEs als Rennegräte für dieses Prestige-Event würde der Klasse in Deutschland einen immensen Schub geben.
EINE CHANCE, DIE MAN NICHT ABLEHNEN KANN
Seit ihrer Gründung vor drei Jahren versucht die Klassenvereinigung, die VX ONE in den Medien sichtbarer zu machen – meist ohne großen Erfolg. Doch die MdM bot perfekte Bedingungen: Deutschlands beste Segler an einem Ort, professionelle Pressebegleitung, Fotos und Videos, Berichterstattung in sämtlichen Segelmedien. Dazu die einmalige Gelegenheit, dass Spitzensegler aus den unterschiedlichsten Klassen selbst Hand an die Pinne legen würden – und ihre Eindrücke anschließend in ihre Heimatclubs und Klassenverbände tragen. Der Entschluss fiel schnell: Wir machen das!
GROSSE CHANCE, GROSSE HERAUSFORDERUNG
Nach intensiven Gesprächen mit Wolf-Dieter Jahn, Vizepräsident des HSC, stand fest: Das Vorhaben würde ein Kraftakt werden. Neun Boote samt Technik- und Reparaturteam wurden benötigt – ein logistisches und organisatorisches Mammutprojekt.
Ovington und Mackay, die Werften hinter der VX ONE, erkannten sofort die Bedeutung der Gelegenheit und sagten ihre Unterstützung zu. Der Plan: Die Klassenvereinigung bittet ihre Eigner, Boote bereitzustellen, während Ovington fehlende Schiffe und technische Unterstützung beisteuern würde.
Doch drei Monate vor dem Termin kam der Rückschlag – aus England konnten weder Boote noch Repair-Team helfen. Ein erneuter Aufruf an die deutschen Eigner löste jedoch eine Welle an Hilfsbereitschaft aus. Einige entschieden sich trotz großer Bedenken, ihre Boote zur Verfügung zu stellen – ein Akt von Vertrauen und Zusammenhalt, für den die Klassenvereinigung unendlich dankbar ist.
LOGISTIK UNTER HOCHSPANNUNG
Neun Boote standen schließlich bereit, aber nur vier Eigner konnten selbst nach Hamburg reisen. Damit lag die gesamte Organisation von Transport, Auf- und Abbau bei der KV – und wie so oft steckte der Teufel im Detail. Anhänger mussten repariert, TÜV-Termine organisiert, neue Transportlösungen gefunden werden. Tagelang wurde telefoniert, geschraubt, koordiniert – und die Nerven lagen blank. Denn sollte es nicht gelingen, wäre die MdM nach 44 Jahren erstmals ohne Boote dagestanden. Erst am Dienstag Mittag, zwei Tage vor Veranstaltungsbeginn, stand endgültig fest, alle Boote würden es nach Hamburg schaffen.
7 WINDSTÄRKEN, REGEN UND ACTION
Dann kam der Wetterbericht – und mit ihm das Tief „Rasmus“. Sturmböen bis 35 Knoten, Temperaturen im einstelligen Bereich und Dauerregen. Die Anspannung stieg nochmal kräftig an, doch es gab kein Zurück: Am Mittwochabend machten sich die ersten Gespanne auf den Weg in den Norden.
Am Donnerstag und Freitag wurde in Hamburg wie am Fließband gearbeitet: Boote entladen, aufgeriggt, gekrant. Die Neugier der ankommenden Meister war groß – viele hatten die VX ONE noch nie live gesehen. Von 24 Crews meldeten sich nur eine Hand voll zu einem ersten Probeschlag. Der kräftige Wind zeigte sofort, dass das Boot zwar gut beherrschbar, aber kein Selbstläufer ist. Auch das „gutmütigste Skiff der Welt“ verlangt Aufmerksamkeit. Die ersten Böen legten die Boote flach auf's Wasser – das Lächeln zurück an Land war trotzdem unübersehbar.
Bei der Steuermannsbesprechung am Samstag durfte die Klassenvereinigung das Wort ergreifen – mit einer eindringlichen Bitte: Die Boote stammen aus Privatbesitz, sie sind geliebt und kaum ersetzbar. Kollisionen sollten unter allen Umständen vermieden werden. Unsere Anspannung war spürbar – und wohl auch in der Stimme zu hören, denn die Botschaft kam an: trotz der teils extremen Bedingungen blieb das gesamte Wochenende unfallfrei.
Der Wind blieb stark, die Böen hart – bis zu 7 Beaufort. Trotzdem kehrten die Crews mit breitem Grinsen an Land zurück. „Es is‘ richtig geil!“ rief ein Segler grinsend in die Kamera der HSC-Reporterin – ein Satz, der den Geist des Wochenendes perfekt einfing.
EINSATZ IM STURM: DAS REPAIR-TEAM
Während auf dem Wasser um Meisterehren gekämpft wurde, lief parallel ein „zweiter Wettkampf“ gegen Wind, Regen und Materialermüdung.
Zum Verständnis vielleicht kurz erklärt: Die 24 Crews werden per Zufall pro Vorrunde in 4 Fleets á 6 Boote eingeteilt. Die Boote werden im fliegenden Wechsel getauscht. Sobald ein Boot über die Ziellinie geht legt sich das Shuttle mit der nächsten Crew längs. Die Einen gehen von Bord, die neue Crew steigt ein, hat dann 2 Minuten Zeit das Boot auf Schäden zu überprüfen und sich zu sortieren, nach 5 Minuten erfolgt der nächste Start.
Unser Reparaturteam wurde von Rafael Berleb, dem deutschen VX-Händler vom Tegernsee, geleitet. Rafael war mit einem Fahrzeug voller Ersatzteile, Blöcke, Schäkel und Leinen angereist. Zusammen mit Helge bildete er ein unermüdliches Duo auf dem Repairboot.
Sobald ein Boot eine Reparaturflagge zeigte, hieß es für die beiden: Vollgas! Innerhalb von fünf Minuten musste auf dem Wasser repariert oder das Ersatzboot eingesetzt werden. Eine Person wartete an Land: Ersatzboot fertig machen, Ersatzteile heranschaffen, Gennaker tauschen, Reparieren – alles im strömenden Regen und 4 Windstärken. Da wird auch das Tauschen des Gennakers zur Herausforderung.
Die Schadensbilanz nach dem Wochenende:
• ein alter Gennaker mit Riss
• offene Lattentaschen an den alten Lappen, äh Segeln
• zwei aufgebogene Schnappschäkel
• ein gerissenes Gummigelenk an einer Pinnenverlängerung
• und ein paar altersschwachen Furler-Leinen…
Angesichts der Bedingungen war das bemerkenswert wenig – eher eine Wartungsliste als ein Schadensbericht.
Während in manchen vorhergehenden Klassen ganze Serien an Schäden gemeldet wurden, hielt die VX ONE nicht nur in puncto Performance was sie verspricht: keine Blöcke aus dem Deck gerissen, keine Brüche, keinerlei strukturelle oder substanzielle Schäden an Boot oder Rigg - und härter können die Bedingungen kaum werden.
WENN DIE ALSTER TOBT
Am Sonntag verschärfte sich der Sturm weiter. Um 14:30 Uhr wurden die Vorläufe aus Sicherheitsgründen abgebrochen, die Teams sollten unter Land abwettern. Doch selbst dort wurde ein Boot umgedrückt bis das Masttop im Alsterschlamm stecken blieb. Die Crews wurden zur Sicherheit abgeborgen und die Schiffe abgetakelt, an Motorbooten längs genommen und einzeln zurück in den Hafen geschleppt. Selbst am Steg konnte man sich nur noch mühsam gegen den Wind zurück zum Clubhaus stemmen.
Für die KV war das der kritischste Moment – Boote, die uns anvertraut waren, bei diesen Bedingungen im Wasser zu wissen, war nervenaufreibend. Doch die Crewdisziplin war vorbildlich, auch beim wieder ablegen: keine Schäden, keine Rempler, keine hektischen Manöver. Wir bedanken uns nochmal HERZLICH bei allen Seglern für die großartige Unterstützung, Verlässlichkeit und Rücksichtnahme.
EIN WÜRDIGES FINALE
Um 15 Uhr konnte in einer Sturmpause das Finalrennen gestartet werden. Noch während das letzte Rennen lief, begann das Aufräumen. Bis spät in die Nacht wurden Boote gekrant, abgebaut und für den Heimweg vorbereitet.
Bei der Siegerehrung dann ein besonderer Moment: Philipp Buhl, zweifacher ILCA7-Weltmeister und einer der besten Segler Deutschlands, wurde „Meister der Meister 2025“. In seiner Dankesrede richtete er bewegende Worte an die VX ONE-Klassenvereinigung und ihre Eigner: „Es ist etwas ganz Besonderes, dass Segler ihre privaten Boote für so ein Event zur Verfügung stellen. Das zeigt, wie sehr sich diese Menschen für Ihre Klasse einsetzten – und wie viel Herzblut dahintersteckt.“
Der Applaus, der darauf folgte, war der längste des ganzen Wochenendes – ein Gänsehautmoment.
Buhl verriet später, dass er ursprünglich gar keine Zeit für die MdM gehabt habe. Erst, als er die VX ONE googelte, sei seine Neugier geweckt worden – und er habe kurzerhand seine Pläne geändert. Eine größere Anerkennung kann es kaum geben.
Viele Teilnehmer zeigten sich begeistert:
„Das Boot geht ab wie eine Rakete!“
„Ich würde mich künftig nicht mehr so sehr wehren, wenn jemand anfragt, ob ich mitfahre.“
„Meine Fresse, sind das Geschosse, wenn du die Segel erstmal oben hast.“
"Die Boote haben etwas mit der Veranstaltung gemacht."
Dieser letzte Satz beschreibt es perfekt. Die VX ONE hat nicht nur dem Wetter getrotzt, sie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen – bei Seglern, Veranstaltern und Zuschauern gleichermaßen. Diese Rückmeldungen, die Begegnungen mit den besten Seglern Deutschlands, der gemeinsame Einsatz im Sturm – all das macht dieses Wochenende unvergesslich.
Wir danken Wolf-Dieter Jahn für sein Vertrauen, das Gelingen dieser wichtigen Veranstaltung auch mit in unsere Hände zu legen. Wir danken allen Helfern aus dem Team des HSC an Land und auf dem Wasser, wir wurden sofort herzlich „in die Familie“ aufgenommen, und von allen unterstützt wo es nur ging. Danke an Lea, Pepe und Max, die für Berichte, Fotos und Videos verantwortlich sind, und danke an die Sponsoren Ovington Boats, Mackay Boats, Pantaenius, crazy4sailing YACHT und Druckerei Aldag. Und wir danken den Meistern, dass sie so gut auf unsere Schiffe aufgepasst haben und sich nicht scheuen, zu berichten, das es großen Spaß gemacht hat, eine VX ONE zu segeln.
Unser Fazit: ähnlich wie bei einem Marathon. Währenddessen schworen wir uns „Nie wieder!“. Doch schon zwei Tage später wussten wir: Wenn wir nochmal gefragt werden - wir würden es wieder tun. Beim nächsten Mal mit weniger Unsicherheiten, mehr Eignern, die ihre Boote selbst begleiten – aber ganz sicher wieder mit der gleichen Begeisterung und Leidenschaft. Denn die VX ONE hat in Hamburg nicht nur Wind und Wellen getrotzt – sie hat Herzen erobert.
Weitere Berichte:
• YACHT Magazin: "Kalt, nass, anstrengend - toll!"
• Hamburger Segel-Club e.V.: 44. Meisterschaft der Meister: Ein windiges Wochenende!
Teaser Tag 1 der MdM 2025: Video
Teaser Tag 2 der MdM 2025: Video
• Deutscher Segler-Verband: 44. Meisterschaft der Meister 2025
• Deutsche Piraten Klassenvereinigung e.V.: 44. Meisterschaft der Meister 2025 beim HSC Unbedingt lesen, total lustig!
Alle Fotos: Pepe Hartmann PHOTOGRAPHY

