VX ONE Klassenvereinigung Deutschland

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VX ONE Racing GER - BERLIN '25

03. OKT 2025

Ringelnatz-Cup und CATCH THE DUCK - Drei Tage VX ONE Racing am (Wind-)Limit...

Bereits zum wiederholten Mal lud der Segler-Verein Alsen Berlin (SVAB) die VX ONE Flotte an den Wannsee – diesmal allerdings mit einem neuen Regattaformat: CATCH THE DUCK. Und das Programm hatte es in sich: zwei Langstreckenrennen mit paralleler Yardstick-Wertung und zwei Tage Up & Down-Rennen.
 

Das Gelände des SVAB gehört zweifellos zu den schönsten am gesamten Wannsee. Das denkmalgeschützte, ehemalige Kutschenhaus, die große Wiese mit altem Baumbestand und der Blick über das Wasser bieten eine einmalige Atmosphäre – an einem Ort, an dem Raum und Ruhe das wertvollste Gut sind. Dazu kamen perfekte Bedingungen für ein geselliges Miteinander: Camping, Übernachtungen im Clubhaus, gemeinsames Frühstück und Abendessen – CATCH THE DUCK war nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich ein echtes Highlight für Segelbegeisterte aus ganz Deutschland.

Nach den Regatta-Richtlinien der VX ONE-Klasse gibt es sowohl für Flaute als auch für starken Wind Grenzen: sinkt der mittlere Wind für 15 min. unter 4 Knoten, darf keine Wettfahrt gestartet werden. Steigt er über 22 Knoten – ebenfalls nicht. Ziel dieser Regelung ist es, dass die Bedingungen für ALLE Teams beherrschbar bleiben, nicht nur für Profis. Das lange Wochenende sollte beide Grenzwerte auf die Probe stellen – und am Ende alle Crews mit noch mehr Vertrauen in ihr Boot belohnen, als sie ohnehin schon hatten.
 

Tag 1 – Der Ringelnatz-Cup des PYC

Traditionell am Tag der Deutschen Einheit veranstaltet der Potsdamer Yachtclub den Ringelnatz-Cup, eine große Yardstick-Langstreckenregatta. Dieses Jahr waren 107 Boote gemeldet, doch aufgrund der lauen Windprognose fanden sich "nur" 83 Teams bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel an der Startlinie ein.

Der Wannsee ist bekanntlich kein einfaches Revier – vor allem für Gäste. Die Segelanweisung bot gleich vier mögliche Kursvarianten mit sehr zahlreichen, fest installierten Bahnmarken. Welcher Kurs tatsächlich gesegelt wurde, stand am Startschiff angeschlagen – das man im Gewimmel erst einmal finden musste. Zum Glück hatte uns Otto Metzner, eines unserer neuesten Mitglieder vom BYC, am Vorabend mit einer laminierten Seekarte samt Tonnennummern versorgt. VX ONE Racing mit Landkarte – eine neue Erfahrung!
 

Das Startfeld war imposant: Von kleinen Jollen bis zu Dickschiffen, die locker für eine Atlantiküberquerung gerüstet wären, war alles vertreten. Entsprechend durcheinander ging es an der Linie zu. Bei nicht mehr als 2–6 Knoten Wind war der Start entscheidend – wer einmal in die Abdeckung einer geschlossenen Wand aus bunten Spinnakern geriet musste sich mühsam eine neue Routen suchen, um sich zu befreien. Drei VX ONE schafften es, sich am Start sofort abzusetzen und ließen einige Boote mit deutlich mehr Speed-Potential (YS) hinter sich.
 

Der Wind drehte, flaute ab, kam zurück – und zwang alle zu ständiger Aufmerksamkeit. Manchmal traute man beim Blick voraus kaum seinen Augen - mehrmals wurde innerhalb 200 Metern von Hoch-am-Wind auf Raumschots umgetrimmt, ohne dabei den Kurs zu ändern. Am Ende konnten die Startgewinner ihren Vorsprung verteidigen, die gesamte VX ONE-Flotte platzierte sich im vorderen Drittel der 83 Starter. R1 für die Gesamtwertung war damit entschieden.

Am Abend lud der PYC zu leckerem Chili und Freibier. Wir fühlten uns sehr willkommen und bedanken uns herzlich für Organisation, Durchführung und Gastfreundschaft – eine tolle Veranstaltung!
 

Tag 2 – Sturm im Anmarsch

Die Wetterprognose hielt, was sie versprach: Die Ausläufer von Atlantiksturm Detlef erreichten Berlin. Am Morgen noch mild, frischte der Wind pünktlich um 10 Uhr auf, 12–18 Knoten bei nur noch 12 Grad Lufttemperatur. Trotzdem fanden sich alle acht gemeldeten VX ONE-Teams an der Linie ein.

Der Kurs führte wieder quer durch das ganze Gebiet der Großen Breite – danach waren alle entsprechend durchgefroren, Regen setzte ein. Wie in der Steuermannsbesprechung angekündigt, verzichteten wir auf eine Mittagspause – wahrscheinlich wäre keiner ein zweites Mal in die nassen Klamotten gestiegen. Also ging es direkt weiter mit den ersten Up & Down-Rennen. Endlich war die Orientierung nicht mehr rennentscheidend, stattdessen zählten Technik, Taktik und Nervenstärke.

Die Rennen waren spannend, eng und fordernd. Regen prasselte ins Großsegel, das Wasser tropfte wie ein Vorhang vom Baum, in den Pausen wurde mit Liegestützen und Kniebeugen gegen die Kälte gekämpft. Vorzeitig aufgeben wollte trotzdem niemand. Nach Langstrecke, vier Up&Downs und über sechs Stunden auf dem Wasser war die heiße Dusche im Vereinshaus mehr als verdient, die Kapazität an Heizkörpern und Kleiderstangen war restlos ausgereizt. Das heiße Thai-Curry, Musik, Barbetrieb und die lustigen Gespräche machten den Abend zu einem echten Seglerfest.
 

Tag 3 – Am oberen Limit

In der Nacht machte der Sturm eine kurze Pause, aber zur ersten Wettfahrt setzten die angekündigten 6 Windstärken ein. Während der Wannsee uns bei zahmen Bedingungen entspannt auslaufen ließ zeigte sich die Große Breite bereits weiß vor Schaum. Auf dem Weg zum Regattagebiet trimmten alle nochmal kräftig nach. Keiner ließ sich verschrecken, auch die Neueinsteiger erschienen rechtzeitig und bewegten ihr Boot zum ersten Mal in solch rauen Bedingungen.

Auf dem Startschiff wurde eine mittlere Windgeschwindigkeit von 22 Knoten gemessen, das obere Limit für unsere "familienfreundliche" Regattaklasse, also wurde gestartet.

Doch die Böen mit >35 Knoten hatten es in sich. Bereits beim ersten Am Wind-Kurs zeigte sich: wer die Böe übersieht - liegt. Quasi jeden hat es mal erwischt. Fock lösen, kurz warten und weiter geht's. So war das Feld schnell durchgemischt und alle wurden noch ein Quäntchen aufmerksamer

Die Downwinds waren spektakulär – sobald man sich mit dem Wind bewegte, schien der Kampf zu enden. Die Top Speeds waren wieder erwartend nicht allzu eindrucksvoll, 16 Knoten wurden gemessen. Scheinbar wurde der Druck lieber gleich in Tiefe umgesetzt.

Die Punkte wurden noch einmal durcheinandergewirbelt, doch am Ende konnte sich Rolf "Rocky" Schmidt und Ulli Henning (GER 225) souverän vor Bernhard Kämpf mit Wilhelm Wutzler (GER 210) – beide vom PYC – und Peter Wenzel mit Holger Wiegmann (SCR) durchsetzen.
 

Fazit

Drei Tage am Windlimit, drei Wetterlagen, unzählige spannende Momente – und am Ende glückliche, erschöpfte Gesichter. Es freut uns sehr, das diese harten Bedingungen die Neueinsteiger nicht verunsichert hat. Im Gegenteil, sie konnten ihr Vertrauen in das bestes Boot der Welt weiter ausbauen und steigern.

Die VX ONE Flotte in Berlin ist mittlerweile auf sieben Boote angewachsen – hochmotiviert und aktiv im Regattageschehen. Auch die weite Anreise aus dem Rheingau und Bayern hat sich mehr als gelohnt – das wird sich herumsprechen.

Ein herzliches Dankeschön an den Segler-Verein Alsen Berlin e.V. für die großartige Organisation, die herzliche Betreuung und das wunderschöne Umfeld. Die Klasse wird gerne dazu beitragen, CATCH THE DUCK zu einer festen Institution auf dem Wannsee zu machen!